FlatPress My FlatPress blog FlatPress Admin 2022 2022-09-28T15:02:17+00:00 Admin ~/ 50 Jahre UFE - Beinahe ein ganzes Leben Teil 16 ~/?x=entry:entry220926-145710 2022-09-26T14:57:10+00:00 2022-09-26T14:57:10+00:00

16_1996_Ungarn-Freizeit Varoly.jpg1991 – Ein Jahr der Entscheidungen. Bei unserer gruppeninternen Silvesterfeier 90/91 fiel der Satz:“ 1-9-9-1, das sieht schon nicht gut aus, ich hab kein gutes Gefühl für dieses Jahr.“ Und so kam es auch. In einigen Beziehungen, die wir in den vergangenen Jahren ganz empathisch begleitet haben, begann es in der Folgezeit zu knirschen: Das Leben schlug eine neue Seite auf.
Man will es zunächst nicht wahrhaben, redet es sich schön und muss doch der Realität ins Auge schauen: Persönliche Krisen reichen immer in den Freundeskreis hinein (dazu sind Freunde ja auch da). Der kann jedoch tun oder lassen, was er will, er kann es nicht allen recht machen. Wir hatten Gott sei Dank immer eine gute „Redekultur“ und ein vertrauensvolles Fundament, wir konnten die Krisen aus Training, Auftritten und Jugendarbeit zunächst heraushalten.
1996_Ungarn-Freizeit Varoly_139.jpgZur aktuellen Lage: Mittlerweile gab es „Handys“, den sogenannten „Knochen“. 500g schwer und 2.500 DM teuer. Die Mauer war weg, die Wende in vollem Gange und die Öffnung nach Osten barg für uns deutlich weniger Risiken. Wir hatten ab 1991 regelmäßigen Austausch mit verschiedenen Musik- und Folkloregruppen aus der Partnerstadt Bonyhád und wurden zu zahlreichen Veranstaltungen engagiert, die mit Ungarn oder internationaler Folklore im Zusammenhang standen. In Hochzeiten, das hat nix mit heiraten zu tun, waren wir jedes Wochenende unterwegs. Wir kamen mit Trachtenwaschen und –bügeln kaum hinterher. Zum Glück hatte da so manche Mama Mitleid und zückte das Bügeleisen.
Mit dieser Auftrittsflut ging ein straffes Trainingsprogramm und ein enormer administrativer Aufwand einher. Wir waren auf dem Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit angelangt- ins Profilager wollten wir nicht!
Und wieder einmal waren wir gezwungen umzudenken und uns neu zu sortieren.
Die persönlichen Krisen einzelner Tänzerinnen und Tänzer wirkten sich zunehmend aufs Training aus, wir mussten etwas tun!
Am Ende bitterer Gespräche und Diskussionen standen wir ohne führende Tanzleiter da und kurz darauf fehlten auch noch einige gute Tänzerinnen und Tänzer. – Und jetzt??
Jetzt erst recht! Jeder, wirklich jeder der „Zurückgebliebenen“ (das waren viele) hat sich in den Dienst der Gruppe gestellt und Dank der Einstellung „Einer für alle…“ und „Aufgeben ist keine Option“ haben wir die Krise gemeistert, diese Klippe erfolgreich umschifft und wieder etwas fürs Leben gelernt.
Die Kinder- und Jugendgruppen waren ein Grund, auf jeden Fall weiter zu machen. Sie sind das Fundament jeder Vereinsarbeit und sie entwickelten sich prächtig. Sie hatten die „Großen“ als Vorbild und wir Tanzleiter taten alles um ihnen unsere Tänze nahe zu bringen. Die Jungs bekamen Hosenröcke und Stöcke zum Tanzen, die Mädchen neue Röcke, Blusen und Schuhe. Die Tänze wurden immer anspruchsvoller und auch außerhalb des Trainings gaben wir alles, um die Meute bei der Stange zu halten. Wir veranstalteten „Workshops“ in Schulen und demonstrierten, was Volkstanz auch sein konnte: Eine anspruchsvolle Sportart, die nicht jeder konnte und bei der man etwas leisten musste und – man lernte Mädchen und Jungs kennen. Und so rekrutierten sie, die mit 4-6 Jahren angefangen hatten zu tanzen, im Laufe der Jahre Freunde und Klassenkameradinnen und –kameraden und gegeisterten sie für ihre Sportart. Es war eine tolle, äußerst integrative Truppe. In den einzelnen Altersstufen tanzten die Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten so lange wie möglich mit. Davon haben alle profitiert.
1996 – „Hurra wir leben noch!“ ein weiteres Jubiläumsjahr.
Das UFE ist 25 Jahre alt. Das musste gefeiert werden. Die Leiterrunde hatte sich mittlerweile fast komplett neu aufgestellt und verjüngt. Das erste Highlight im Jubeljahr war eine 10-tägige Jugendfreizeit (10 – 14 Jahre) im Bonyháder Ferienlager in Vároly. In Kooperation mit dem dortigen Partnerschaftsrat und der Tanzgruppe „Kränzlein“ haben wir ein spannendes Programm mit Tanzlehrgang und Gesangsstunde auf die Beine gestellt. Anreise im Bus – 16 Stunden – Verteilung auf kleine Häuschen mit 8-10 Betten – eine klamme Geschichte – Frühstück und Essen „all inclusive“ im Gemeinschaftshaus – Oje!
Das erste Frühstück, lauwarmer zuckersüßer Tee mit hellblauem und rosafarbenem Rührkuchen hat uns in Staunen versetzt (andre Länder, andre Sitten). Als wir am zweiten Morgen dann den selben Tee mit fettem Speck. Zwiebeln und trocken Brot auf dem Frühstückstisch fanden, mussten wir reagieren. Wir haben umgebucht, selbst eingekauft, zusammen mit den Küchenfeen des Lagers einen entsprechenden Speiseplan aufgestellt und kochen lassen. Ab da lief es rund, die Freizeit war gerettet und ein voller Erfolg. Alles Weitere ist bitte bei den damaligen Teilnehmern zu erfragen.
Weitere Highlights waren nach dem Auftritt 1995 bei der Jubiläumsgala der Firma Daimler-Benz der Auftritt 1996 bei einer Präsentationsveranstaltung der BMW-Niederlassung Stuttgart und schlussendlich unser eigenes großes Gala-Programm mit allen Gruppen, mit dem Volksmusikensemble Téka und Márta Széll aus Budapest und mit anschließendem Tanzhaus im Schlosskeller. Damit ging ein weiteres turbulentes erfolgreiches Jahr zu Ende.
Wir nähern uns unaufhaltsam der Jahrtausendwende. Vorher gibt es jedoch noch ein Ereignis, das sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat. Dazu aber mehr in Teil 17.

Bis dahin
Eure Babs

50 Jahre UFE - Beinahe ein ganzes Leben Teil 15 ~/?x=entry:entry220919-184100 2022-09-19T18:41:00+00:00 2022-09-19T18:41:00+00:00

15_1991_Bebenhausen_Gncz.jpgAngekommen im Profilager anno 1987? Wollten wir da überhaupt hin? Diese Frage stellten wir uns zu dieser Zeit gar nicht. Zunächst profitierten wir sehr von der professionellen Herangehensweise für unsere weiteren Auftritte, da griff ein Rädchen ins andere. Wir lernten weiterhin einen neuen ungarischen Tanz pro Jahr und bekamen so ein Spektrum, das sich quer durch Ungarn zog. Unsere Trachten benötigten mittlerweile einen eigenen Schrank (wir hatten für jeden Tanz eine spezielle Tracht, die Mädchen nannten ca. 50 Trachtenteile ihr eigen) und zu Auftritten reisten wir mit Gepäck, das auf „Auswandern“ schließen ließ. Ansonsten machte uns das Gruppenleben einfach Spaß. Wir freuten uns, ein Hobby zu betreiben, das nicht jeder hatte, auf hohem sportlichem Niveau, das jeden seinen Fähigkeiten entsprechend forderte und das uns auch öffentliche Anerkennung einbrachte. Wir hatten den „Volkstanz“ aus seiner angestaubten Ecke geholt.
1989 – Der Vertrag zur Städtepartnerschaft mit Bonyhád war unterschriftsreif, der 1. Festakt sollte in Ungarn stattfinden. Eingeladen war eine große Delegation aus Wernau und die Verwaltung bot alles auf, was unsere Stadt an Kunst, Kultur, Geschichte und Wirtschaftskraft zu bieten hatte – so ca. 150 Menschen und wir mittendrin. Den ersten Teil der Reise bis Graz absolvierten wir mit der Bahn!! In drei Sonderwaggons. Durch unsere bisherigen Ungarnfahrten hatten wir Erfahrung in „Langstreckengruppenreisen“ und die eigens dafür zusammengestellten Liederbücher griffbereit. Die musikalische Begleitung lieferte der Musikverein, auch sie konnten „Lompaliadla“ auswendig spielen, also: Der „Festwaggon“ gehörte uns. Bis München hatten wir uns warm gesungen. Dann – die Bahn war damals schon zuverlässig – mussten wir umsteigen. D.h. die Waggons wurden umgekoppelt, 150 Leute raus auf den Bahnsteig. Stellt euch mal vor: eine Tanzgruppe, ein Musikverein, beide jeweils in Hochform, ein gaaaanz langer Bahnsteig und der „Zillertaler Hochzeitsmarsch“. Wir waren einfach ein „Dreamteam“ und rockten den Münchner Bahnhof bis der bayerische Amtsschimmel in Form einer Polizeistreife zuschlug. Naja, nach klärenden Worten unseres BMs ging Ali mit der Polizeimütze beim „Publikum“ Kreuzerle sammeln. Es war eine unvergessliche Mordsgaudi. In Graz sind wir in Reisebusse umgestiegen um nach einer gefühlten Ewigkeit in Bonyhád mit einem Wasserglas voll bestem Pálinka willkommen geheißen zu werden. Jetzt hieß es Haltung bewahren, Augen zu und durch. Wir wurden alle privat untergebracht, die ungarische Gastfreundschaft war unbeschreiblich.
Der Musikverein und wir waren Wernaus kulturelles Aushängeschild und mussten für die Auftritte bei den Festakten proben. Wir hatten einen eigenen Zeitplan und konnten daher nicht an allen Besichtigungsangeboten teilnehmen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel – leider! Der Weinkeller war einfach zu interessant und so mussten wir, auf Grund gewisser Koordinationsschwierigkeiten einzelner Tänzer vor dem Auftritt die Aufstellung kurzfristig ändern. Den Anschiss nach dem Auftritt hat sich keiner hinter den Spiegel gesteckt. Zukünftig hieß es: Erst tanzen dann trinken.
Zur Strafe wurde dann auch noch am Sonntag Kirchgang in Tracht befohlen. Wir waren „anwesend“ und die Hochachtung der Bonyháder war uns sicher.
Auch unser ungarisches Tanzprogramm nötigte den tanzkundigen Ungarn höchsten Respekt ab und hinter den Kulissen wurden wir bis in parlamentarische Kreise als – Achtung: „beste deutsche ungarisch tanzende Gruppe im Ausland“ gehandelt.
Das führte uns 1990 ins Stuttgarter Rathaus zum Auftritt bei einer Vertragsunterzeichnung für das ungarische Kulturinstitut, sowie nach Sindelfingen zum Empfang des ungarischen Ministerpräsidenten Jószef Antall. Gekrönt wurde die Serie 1991 mit dem Auftritt beim Empfang des ungarischen Staatspräsidenten Arpád Göncz und der LDU durch die Landesregierung und Ministerpräsident Erwin Teufel im Kloster Bebenhausen und einem emotionalen Erlebnis. Auf die Frage von Herrn Göncz, was uns denn mit Ungarn verbindet, erhielt er die Antwort: Unsere Heimat ist hier in Deutschland, unsere Wurzeln aber liegen in Ungarn. Als wir dann im zweiten Auftritt Dúnántuli tanzten und dazu sangen, hielt ihn nichts mehr auf seinem Platz. Er hatte Tränen der Rührung in den Augen, als er uns auf der Tanzfläche umarmte.
1991 war, abseits der Politik, ein Jahr der Entscheidungen. Das UFE war 20 Jahre alt, der Frühlingsball, unsere jährliche Traditionsveranstaltung verzeichnete rückläufige Besucherzahlen, unser ungarisches Repertoire umfasste stolze 16 Tänze – was also tun wir damit?
Wir veranstalteten einen letzten bombastischen Jubiläumsfrühlingsball mit der Kapelle Szélkerek aus Bonyhád und einem Vorprogramm auf einer kleinen Bühne im Foyer der Stadthalle sowie den Spinning Twins mit Artistic & Comedy im Foyer- und Saalprogramm. Eine grandiose Veranstaltung der Superlative und ein wirklich würdevoller Abschluss unserer Frühlingsballtradition. Ab da präsentierten wir unsere Jahresarbeit mit den Nachwuchsgruppen bei den Schwabenbällen und im kleineren Rahmen in einer Herbstveranstaltung.
Im Herbst des gleichen Jahres gingen wir noch mit der ungarischen Volksmusik-kapelle Varacskos Disznók, Kálmán Balogh am Zymbal und unserem 2-stündigem Live-Programm nach der Premiere in Wernau auf „Tournee“ nach Heidenheim und in die Liederhalle. Wir haben alles gegeben.
Ich weiß nicht, wie wir das alles damals geschafft haben. Und alles ohne die heutigen digitalen Möglichkeiten und Erleichterungen – oder gerade deshalb? Gerade weil wir uns auf eine Sache konzentrieren mussten, weil hier Kreativität, Einfallsreichtum und Engagement gefragt waren und weil das Ergebnis dieser Anstrengungen hautnah und immer in einer Gemeinschaft erlebbar war. Anonymität war zu dieser Zeit quasi ein Fremdwort.
Noch sind wir nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Es gibt noch einiges zu berichten.

Bleibt gespannt.
Eure Babs

50 Jahre UFE - Beinahe ein ganzes Leben Teil 14 ~/?x=entry:entry220919-183843 2022-09-19T18:38:43+00:00 2022-09-19T18:38:43+00:00

14_1987_Programm.jpgDie Entwicklung unserer Tanzgruppe geht steil nach oben und zwar so rasant, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll und wie so eins ins andere gegriffen hat. Vielleicht machen wir zwei Zeitrechnungen auf: Eine Vor- und eine Nach-Márti Zeit.
Auch in der Vor-Márti Zeit waren wir schon international unterwegs. Wer damals welche Strippen gezogen hat – ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls kamen wir zum „Ball der Nationen“ in die Stuttgarter Liederhalle und trafen dort auf Tanzgruppen, mit denen wir auf einer Wellenlänge waren. Als da waren: „Spanier“, „Ukrainer“ und „Schotten“. Und zusammen mit der Reutlinger Tanzgruppe hoben wir eine internationale Auftrittsreihe, die „Folklorade“ aus der Taufe. Es lief nicht ganz so, wie wir es uns gewünscht hätten. Immerhin haben wir aberzwei Auftrittsreihen durchgezogen und die Sache anschließend unter der Rubrik „Erfahrung sammeln“ abgelegt.
Dann kam Márti und, wie ihr wisst, eine totale Neuausrichtung unseres Tanzprogramms. Sogar Péter, der anfangs total skeptisch war ob der Tatsache, dass eine deutsche Tanzgruppe ungarisch tanzen will, hatte Feuer gefangen. Er, der Profi, sah in uns Potentiale, die für uns noch weit im Verborgenen schlummerten. Also stellten Márti und er uns für die nächsten 5 Jahre einen regelrechten Lehrgangsplan auf und peitschten in dieser Zeit sechs neue Tänze bis zur Auftrittsreife durch. (Domaházi, Stock- und Flaschentanz, Délalföldi, Dúnantúli und Szatmári). Wir hatten gut zu tun! Nicht zu vergessen, die Tänze, die wir schon hatten, sowie das ungarndeutsche Repertoire, das ab und zu ebenso einer Neuauflage bedurfte. Schließlich hatten wir mittlerweile 25 bis 30 Auftritte im Jahr zu bestreiten.
Wir Tanzleiter waren zu dieser Zeit sicher nicht immer „Everybody’s Darling“, wenn wir die Truppe triezten, kräftiger zu stampfen, die Beine höher zu heben, schneller zu drehen, lauter zu singen und dazu auch noch freundlich gucken. Das Ganze wiederholen und wiederholen, so lange, bis es auch auf der Bühne automatisch abgerufen werden konnte. Es war nicht immer einfach, aber der Erfolg gab uns recht und hat uns in immer größere Höhen getragen.
Haken wir jetzt im Jahr 1987 ein.
Zunächst änderten wir unseren Gruppennamen von Landestanz- und Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn in Ungarndeutsches Folklore-Ensemble, damit fühlten wir uns deutlich besser vertreten. Und dann fuhren wir mal wieder zweigleisig:
Mittlerweile waren wir ein bisschen zum städtischen Aushängeschild avanciert. Zu dieser Zeit streckte die Wernauer Verwaltung ihre Fühler nach Ungarn aus auf der Suche nach einer Partnerstadt. Mit ein Grund für diese Wahl war die große Zahl der ungarndeutschen Vertriebenen in Wernau, (nicht umsonst gab es eine „Paprikasiedlung“) die auch noch Kontakte nach Ungarn hatten und natürlich wir als Bindeglied. Wir hatten für dieses Jahr eine Einladung nach Keszhely am Plattensee und luden BM Roger Kehle, Vertreter der Stadtverwaltung und des Gemeinderates ein, uns zu begleiten um sich ein eigenes Bild von Ungarn und den möglichen Partnerstädten zu machen. Dazu erweiterten wir unsere Reise um einen Aufenthalt und einen großen Auftritt in Újpetre, einem der Heimatdörfer unserer Eltern. Von dort aus erfolgte eine erste Kontaktaufnahme mit Bonyhád. Unser Programm ergänzten wir mit deutschen Volksliedern („Horch, was kommt von draußen rein…“) – ein Hoch auf die Vielseitigkeit – und hatten außerdem noch Rüdiger und zwei weitere Musikanten im Gepäck. Die Fahrt war grandios und erfolgreich, zeigte sie doch Ungarn abseits der offiziellen Verwaltungswege und offenbarte die unendliche Gastfreundschaft der Menschen. Lange Rede…. 1989 wurde die Städtepartnerschaft mit Bonyhád unterzeichnet.
Auf dem zweiten Gleis kamen Márti und Péter mit dem Plan um die Ecke, unser gesamtes Tanzprogramm zu bündeln und in Begleitung einer ungarischen Volksmusikkapelle in einem 2-stündigen Programm auf die Bühne zu bringen. Puhaa! Jetzt bekamen wir Schweißausbrüche aber auch Sternchen in den Augen. Péter machte uns den Mund derart wässrig mit einem fertigen Plan, dass wir schließlich das Abenteuer wagten. Das war ein Ausflug in die Welt der Profis. Strengste Disziplin schon in der Vorbereitung (Beine gleich hoch, Kopf gerade, lächeln…), exakte Trachtenverteilung, sowie eine genaue Zuordnung der „Umziehhilfen“. Péter stand an der Generalprobe mit der Stoppuhr da und korrigierte die Wege von der Bühne zur Garderobe. Wir hatten z.T. nur ein Musikstück Zeit, um uns komplett zum nächsten Tanz umzuziehen. Die Trachten waren teilweise hinter der Bühne in der richtigen Reihenfolge geschichtet, der Helfer/die Helferinnen standen bereit. Die Musiker von Méta hatten vorab unsere Tanzmusik bekommen und spielten live zu unseren Tänzen – ein völlig neues Tanzgefühl! Und dann ging’s los. Die Stadthalle war brechend voll, wir tanzten uns die Seele aus dem Leib und ernteten stehenden Applaus. Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl, Márti und Péter platzten vor Stolz. Wir wiederholten die Vorstellung noch in der Stuttgarter Merz-Schule, sowie in Ostfildern.
Das war der erste Ausflug ins Profilager, aber nicht der letzte.
Fortsetzung folgt.

Bis dahin
Eure Babs

50 Jahre UFE - Beinahe ein ganzes Leben Teil 13 ~/?x=entry:entry220905-111754 2022-09-05T11:17:54+00:00 2022-09-05T11:17:54+00:00

13_1991_D-Gruppe.jpgFamilien- und Berufsleben und Tanzgruppe – wie passt das zusammen?
Naja, das Berufsleben gestaltete sich in den 80ern doch deutlich anders als heute. Weit weniger global. Industrielle Auslagerungen ins Ausland (Asien, China, „Ostblock“) waren eher die Ausnahme, noch waren Wirtschaft, Politik und auch die Technik nicht so weit, um problemlos international agieren zu können. D.h. auch wir waren eher „standorttreu“ und konnten unser zeitintensives Hobby regelmäßig ausüben.
Aber wie passt Familienplanung da rein? In vielen Tanzgruppen war mit Hochzeit und erstem Kind Schluss mit tanzen für die Tänzerinnen und Tänzer. Das war für uns keine Option – wir haben es mal wieder anders gemacht. Wir haben unsere Kinder – und die purzelten ab 1983 reihenweise in unser Leben – wo immer es ging, mitgenommen. Sie waren der wichtigste Teil unseres Lebens und wuchsen ganz selbstverständlich in den nun zweitwichtigsten Teil, die Tanzgruppe, hinein. Ein riesengroßes Dankeschön gebührt an dieser Stelle unseren Eltern und deren engagierten Großelterndiensten, ebenso den nicht-aktiven Mamas und Papas, die es uns Tänzerinnen und Tänzern erst ermöglichten, unser Hobby in diesem Umfang weiter zu betreiben.
Und somit wuchs mit jedem Baby unsere „Tanzgruppenfamilie“. Angefangen bei Katharina über Dennis, Bianca, Miriam, Nico, Sinja Tobi, Maresa und, und, und… es krabbelte und wuselte zunehmend bei uns. Natürlich organisierten wir nach wie vor Gruppenausflüge, Hüttenaufenthalte, ob an Silvester oder einfach so zwischendurch. Wir beteiligten uns an zahlreichen Straßenfesten mit Auftritten und einem Stand z.B. in der Hauptstraße vor „Ali’s Bar“ (liebe Birgit, das war super, vielen Dank für deinen langen Geduldsfaden) mit Kesselgulasch und ungarischer Paprikawurst. Wir trafen uns im Freibad, dort hatten wir fast schon ein eigenes Areal, und feierten selbstverständlich Geburtstage miteinander. Musste einer umziehen, stand die Gruppe parat, ebenso wenn es galt, ein Dach zu decken. Und immer, wirklich immer, waren die Kinder mittendrin. Irgendeiner oder auch zwei oder drei hatten ein wachsames Auge auf die Zwerge und die hatten immer einen Ansprechpartner, wenn Mama oder Papa mal nicht greifbar waren, ganz zu schweigen von Spielkameraden, die für jeden Blödsinn zu haben waren. (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm).
Es waren bestimmt so an die 30 Kinder, die im Laufe der Jahre in mehr oder weniger großen Altersabständen unser Gruppenleben bereichert haben.
Zu dieser Zeit trat die musikalische Früherziehung der Musikschule in unseren Fokus. Ich, als ehemalige Erzieherin im Kindergarten, dachte mir: „Was die können, können wir auch. Wir haben Musik, wir haben Kinder, ich habe Kinderlieder, Reime und Fingerspiele, Kindertänze zu kreieren war kein Problem und verschiedene Klanginstrumente kann man kaufen. Also lasst es uns doch mit einer „D-Gruppe“ im Kindergartenalter versuchen!“ Wir starteten einen Aufruf, zunächst im erweiterten Bekanntenkreis, und hatten innerhalb kurzer Zeit ca. 20 tanzwillige Kinder im Training. Es machte einen Heidenspaß, auch wenn ich manchmal tief in die didaktische Kiste greifen musste, um diesem „Ameisenhaufen“ Herr zu werden. Aber wir haben viel gelacht, gesungen und gespielt, manchmal auch gestritten, wenn sich Jungs und Mädchen nicht gegenseitig anfassen wollten, und wir haben vor allem getanzt. Und so kam es, wie es kommen musste, wir haben wieder mal Trachten genäht. Ganz neue, ganz kleine Hemden, Leibchen, Blüschen und Blaudruckröcke und -tücher. Sie waren zuckersüß und ernteten bei ihrem ersten Bühnenauftritt stürmischen Applaus. Das war, glaub ich, so manchem Kind nicht ganz geheuer. Jetzt sind wir also bei der nächsten „Tanzgeneration“ angekommen. In den weiteren Folgen schau’mer mal, wie’s weitergeht.
Bis dahin
Eure Babs.

50 Jahre UFE - Beinahe ein ganzes Leben Teil 12 ~/?x=entry:entry220829-100447 2022-08-29T10:04:47+00:00 2022-08-29T10:04:47+00:00

12_1985_Ende Lehrgang Domahzi.jpgUnsere tänzerische Entwicklung hat im November 1982 mit Márta Széll eine ganz neue Richtung genommen (siehe Teil 9). Sie hat auch unseren Trachtenbestand begutachtet und zusammengestellt, was für welchen Tanz getragen werden sollte und vor allem, was wir neu brauchten. Da waren in erster Linie Schaftstiefel für die Jungs und für die Mädchen Schaftstiefel und festere Tanzschuhe. Zum Glück hatte Márti die notwendigen Handwerker (Stiefelmacher, Schuhmacher und Schneider) in Ungarn an der Hand und so haben wir einen regelrechten „Trachtenhandel“ aufgezogen: Maße und Schnittmuster werden hin und hergeschickt, was können wir selbst anfertigen und was nicht und wie kommt alles von Ungarn zu uns? Gott sei Dank haben uns die Grenzer nie erwischt. Immerhin gab es damals noch den „Eisernen Vorhang“. Sukzessive verlagerten wir ab da unseren tänzerischen Schwerpunkt in Richtung deutsche und ungarische Tänze. Die Sparten jugoslawisch, rumänisch und russisch wanderten in die Jugendgruppen ab. Nicht allen in der Landsmannschaft gefiel das, war doch die Vertreibung nach dem Krieg nach wie vor in schmerzlicher Erinnerung. Aber wir waren die nächste Generation, unsere Wurzeln lagen zwar in Ungarn, doch wir hatten die einmalige Chance, ohne diesen „Rucksack“ der Kriegserlebnisse mit Tanz und Gesang Brücken zu bauen, Völkerverständigung zu leben und uns so der Heimat unserer Eltern anzunähern. Darüber hinaus sprach der Beifall der Zuschauer bei unseren Auftritten bei den Schwabenbällen für sich bzw. für uns. Wir hatten unseren Weg gefunden und den gingen wir ab da konsequent weiter.
Im Sommer 1983 schoben wir noch „kurz“ eine Gruppenreise nach Ungarn dazwischen. Wir trafen Jósi Ólah von der Uni Mosonmagyaróvár, der uns als Reiseleiter von Budapest über Szentendre, Esztergóm bis nach Miskolc in den Nordosten Ungarns führte und von da aus zurück nach Eger, Debrecen und in die große Puszta. Es war ein grandioses Erlebnis!! Das I-Tüpfelchen waren dann die letzten Tage in der Baranya, in den Heimatdörfern unserer Eltern und in deren Weinbergen.
Bei der Vorbereitungsfahrt zu dieser Reise (das Internet war noch nicht erfunden) trafen Ali und Charly auch Márti und besprachen gleich den nächsten Tanzlehrgang. Der folgte im November 1984 mit Tänzen aus Mezöség. Márti brachte dazu ihren Partner Péter Gerzson Kóvács mit, denn, so Péter im Nachgang, haben wir mit unserer Wahl gleich nach der Königsklasse des ungarischen Volkstanzes gegriffen und das konnte Márti allein nicht leisten. Dementsprechend hochkarätig war dann auch der Lehrgang. Wir sind quasi für ein Wochenende in die Sporthalle eingezogen. Es herrschte Anwesenheitspflicht für alle Tänzerinnen und Tänzer – mal schnell auf eine andere Position wechseln war bei diesem Niveau schlichtweg nicht möglich – und dann hieß es üben, üben, üben, tanzen, singen und wieder üben, zwischendurch kurz die Beine hochlegen und Füße verpflastern und weiter. Am Ende des Lehrgangs war die Choreopraphie mit 12 Paaren fertig. Wie lang der Weg bis zur Bühnenreife noch war, zeigten uns Márti und Péter am Ende in einer kurzen improvisierten Vorführung – aber: Man braucht schließlich Ziele im Leben!
Und die hatten wir. Es folgten mehrere Silvesterlehrgänge mit Stock- und Flaschentanz, Domaházi, einem 3-Paartanz aus Dunántúl, Tänze aus Szatmár, und und und …. Entsprechende Trachten mussten genäht bzw. gekauft werden und zwischendurch gab’s auch noch Trainigswochenenden z.B. auf der Sigelshütte unter der Teck. Dort haben wir jahrzente-alten Staub aus dem ebenso alten Holzboden getanzt. So mancher hat diesem Lehrgang, glaub ich, seine Hausstauballergie zu verdanken.
Mittlerweile waren wir in der A-Gruppe 37 Tänzerinnen und Tänzer und mussten uns in A1- und A2 Gruppe aufteilen. Das alles ging freilich nicht ohne Reibereien und auch mal handfesten Krach über die Bühne, auch wenn man das in der Rückschau gerne ausblendet. Aber wir haben uns konsequent einmal im Jahr zur Jahreshauptversammlung zusammengesetzt, über das vergangene Jahr Bilanz gezogen, für die Probleme nach Lösungen gesucht und Zukunftspläne geschmiedet.

Ach ja, Familien- und Berufsleben gab’s auch noch – so nebenbei !
Aber davon mehr in der nächsten Folge.

Bis dahin bleibt mir gewogen.

Eure Babs